Freispiel ab Geburt

Spiel – besonders selbstgesteuertes Spiel – ist nicht nur etwas Natürliches, sondern essenziell für die emotionale Gesundheit der Kindheit. Im Spiel entwickeln Kinder ihre körperlichen und kognitiven Fähigkeiten, dehnen ihre Vorstellungskraft, entfalten Kreativität, bilden Resilienz und eine tiefe Selbstwahrnehmung. Spiel ist kein „Extra“ im Alltag von Babys – es ist ihr zentraler Lern- und Erfahrungsraum.

Mona Walter

Mona Walter

veröffentlicht: 27. Februar 2023
Kategorie:Baby
Freispiel ab Geburt

Spiel – besonders selbstgesteuertes Spiel – ist nicht nur etwas Natürliches, sondern essenziell für die emotionale Gesundheit der Kindheit.
Im Spiel entwickeln Kinder ihre körperlichen und kognitiven Fähigkeiten, dehnen ihre Vorstellungskraft, entfalten Kreativität, bilden Resilienz und eine tiefe Selbstwahrnehmung. Spiel ist kein „Extra“ im Alltag von Babys – es ist ihr zentraler Lern- und Erfahrungsraum.

Babys lernen nicht durch Anleitung, sondern durch eigenes Tun.
Doch wie können wir diese Fähigkeit nähren, schützen und stärken?

Freispiel beginnt früher, als wir oft denken

Freispiel beginnt nicht erst mit Bauklötzen oder Rollenspielen.
Es beginnt in dem Moment, in dem ein Baby wach ist, sich wohlfühlt und sich in einer Position befindet, in der es sich frei bewegen kann.

Babys sind ab Geburt bereit zu spielen.
Alles, was wir tun müssen, ist:
✨ es zu erkennen
✨ es zu ermutigen
✨ und ihnen – und uns – zu vertrauen

Erkennen

Wenn Babys nicht essen, schlafen, gebadet oder gewickelt werden,
wenn sie nicht weinen, Schmerzen haben oder Nähe brauchen –
dann spielen sie.

In den ersten Wochen und Monaten sieht Spiel oft unscheinbar aus:
ein Blick zur Hand, ein Strampeln, das Entdecken der eigenen Füße, ein Geräusch, das wiederholt wird.
Doch genau hier beginnt Spiel – und genau hier darf es ernst genommen werden.

Diese frühen Spielmomente sind kein „Warten auf den nächsten Programmpunkt“,
sondern bedeutsame Lern- und Selbstwirksamkeitserfahrungen.

Ermutigen

Spiel wird wahrscheinlicher – und dauert länger –,
wenn wir Babys einen sicheren, vorbereiteten Raum bieten:

  • einen Ort, an dem sie nicht fixiert oder positioniert werden
  • einen Ort, an dem sie sich frei bewegen dürfen, so wie es ihrem Entwicklungsstand entspricht
  • einen Ort, an dem sie nicht ständig unterbrochen werden

Wenn Bewegung eingeschränkt ist – etwa durch Wippen, Sitze oder häufiges „Helfen“ beim Drehen oder Sitzen –,
gewöhnen sich Babys an dieses Eingreifen.
Sie lernen: Ich brauche jemanden, der etwas für mich tut.

Freies Spiel hingegen sagt:
Du darfst selbst entdecken. Ich traue dir zu, deinen Körper und deine Welt zu erforschen.

Auch im Kontakt dürfen wir achtsam sein:
Bevor wir ein Kind unterbrechen, hilft es, kurz innezuhalten, zu beobachten – und zu warten, bis das Baby Blickkontakt aufnimmt.
Wir können ankündigen, bevor wir es hochheben.
Selbst sehr kleine Babys treten dann in eine Art Dialog:
Sie strecken die Arme aus, reagieren mit Blicken oder Körperspannung – und werden so aktive Mitgestalter*innen ihrer Beziehung.

Vertrauen

Vielleicht ist dieser Teil der schwierigste.
Denn vielen von uns wurde vermittelt, dass wir ständig „etwas tun“ müssen.
Dass Alleinspiel gleichbedeutend mit Vernachlässigung sei.

Doch das Gegenteil ist der Fall:
Wenn wir feinfühlige Beobachter*innen sind,
wenn wir auf die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse unseres Babys reagieren,
dann entsteht Spiel ganz von selbst –
zunächst in kleinen Zeitfenstern, die mit der Zeit größer werden.

Babys können sehr klar zeigen,
wann sie Verbindung brauchen
und wann sie genug Raum hatten, um selbstständig zu sein.

Freies Spiel und Nähe schließen sich nicht aus –
sie bedingen einander.
Ein Baby, das sich sicher fühlt, kann spielen.
Ein Baby, das spielen darf, kann immer wieder in Verbindung gehen.